Trageberatung

Bei der Trageberatung gebe ich euch alle wichtigen Infos zum Thema Tragen mit – warum überhaupt Tragen? Verwöhne ich mein Baby nicht, wenn ich es dauernd herumtrage? Was ist mit der Wirbelsäule, dem Rücken und der Hüfte – ist Tragen nicht total schädlich? Mit diesen und weiteren Themen beschäftigen wir uns in der Beratung.

Ebenso zeige ich verschiedene Bindeweisen mit dem Tuch und Sling. Außerdem können Tragehilfen probiert werden – vom Babyalter bis zum Kleinkind. Ihr habt auch die Möglichkeit, diese Tragen und Tücher gegen eine Kaution und Leihgebühr zu Hause in Ruhe zu testen.

Wichtiges zum Tragen

-Unterstützt die positive Entwicklung der kindlichen Hüfte

Bei Neugeborenen sind der Oberschenkelkopf und die Hüftgelenkspfanne noch nicht verknöchert. Der Oberschenkelkopf kann so leichter aus der Gelenkspfanne herausrutschen. Durch die Anhock-Spreiz-Haltung wird dies in der Regel verhindert. In dieser Haltung ist der Oberschenkelkopf genau in der anatomisch günstigen Position in der Hüftgelenkpfanne.

Normalerweise nimmt ein Neugeborenes automatisch diese Haltung ein, denn es hat noch eine Streckhemmung der Beine, kann sie also nicht ausstrecken.

-Tragen und Rückenschäden

Ein Neugeborenes ist noch in der sogenannten Totalkylophose. Der Rücken ist noch gerade und entwickelt sich erst im Laufe des ersten Lebensjahres die für Menschen typische S-Form durch das Muskeltrainig des Säuglings.

So ist der scheinbar runde Rücken des Säuglings eine altersentsprechende physiologische Haltung.

-Tragen und die Anatomie der Mutter/des Vaters

Möchtest du dein Baby tragen, dann sehe es wie eine neue Sportart an, an die sich dein Körper noch nicht gewöhnt hat. Wenn du dein Baby schon bald nach der Geburt trägst, kann sich dein Körper auf das wachsende Gewicht des Babys einstellen. Viel schwieriger ist es, mit dem Tragen erst zu beginnen, wenn das Baby sein Geburtsgewicht bereits verdoppelt hat.   

-Ergebnisse der Verhaltensforschung

Drei- Monats-Koliken und Blähungen bei Säuglingen sind bei Völkern, in denen die Babys noch viele Stunden am Tag am Körper getragen werden, so gut wie unbekannt. So ist anzunehmen, dass das stundenlange Liegen der westlichen Säuglinge eine der Ursachen der sogenannten Drei-Monats-Koliken ist.   

In Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass getragene Babys seltener und kürzer weinen.

Beim Tragen befindet sich das Neugeborene in der Mutter-Kind-Symbiose, die in den ersten Lebensmonaten für die psychische Entwicklung des Säuglings so notwendig ist. Es erfährt das Gefühl der Annahme, ohne dass es etwas dafür leisten muss. 

Ganz allmählich und nach seinem eigenen Tempo kann es sich aus dieser Symbiose trennen, indem es sich mehr für das interessiert, was um ihn herum passiert. All das geschieht aus der sicheren Position, der sogenannten Secure-Base, heraus, die ihm die Mutter oder ein anderer Tragender bietet. Durch das Tragen erfährt das Baby gleichzeitig vielfältige Entwicklungsanreize, die es in Sicherheit und Geborgenheit verarbeiten kann.   

Es gibt Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass Hyperaktivität im Zusammenhang mit einer ungenügenden taktilen Stimulation im Babyalter steht. (Zeitschrift für Sozialpädiatrie).

Diese Untersuchungen werden durch die Tatsache bestätigt, dass afrikanische Kinder in den ersten Lebensjahren sowohl motorisch als auch sozial im Schnitt weiter entwickelt sind, als ihre europäischen Altersgenossen. Afrikanische Babys verbringen den größten Teil ihrer Babyzeit auf dem Rücken der Mutter und nehmen passiv an ihrem Leben teil.   

Durch das Tragen ist das Kontaktbedürfnis des Säuglings befriedigt. Körperkontakt ist ein elementares Grundbedürfnis des Säuglings. Ist dies befriedigt, ist das Baby entspannter und muss sich nicht mehr durch unzählige Versuche, den Kontakt herzustellen, ins Bewusstsein der Erwachsenen bringen. 

Für das Baby ist das Tragen so wichtig, weil es von seiner physischen und psychischen Ausstattung her zu den Traglingen zählt. Das Tragen ist für ein Traglingsbaby das, was es erwartet.   

Quellen: artgerecht – Das andere Baby-Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Gesunde Entwicklung fördern. Naturnah erziehen

Quellen: artgerecht – Das andere Baby-Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Gesunde Entwicklung fördern. Naturnah erziehen